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Bitcoin - Wird der Krypto-Markt mit dem Stablecoin „Tether“ manipuliert?

von Alexander Mayer, am Donnerstag, 27.6.2019

Seit Anfang April ist der Bitcoin aus dem Krypto-Winter erwacht und der Preis hat sich seitdem mehr als verdreifacht. Die Bullen haben also nach langen Monaten des Wartens das Ruder wieder in der Hand. Gründe für den jüngsten Aufschwung werden einige genannt: Wachsendes Interesse der institutionellen Investoren, weitere Fortschritte bei der technischen Entwicklung, Facebooks zuletzt angekündigtes Mega-Projekt Libra und so weiter. Könnte jedoch auch Manipulation mit im Spiel sein? Die Blicke richten sich bei dieser Frage vor allem auf den umstrittenen Stablecoin Tether.

Was ist Tether und warum ist es umstritten?

Tether ist ein Stablecoin, also eine Kryptowährung, die immer den Wert von genau einem US-Dollar haben soll. Das wird erreicht, indem jeder Tether-Coin 1:1 mit einem Dollar hintelegt ist (und somit theoretisch immer wieder gegen diesen umtauschbar). Was genau soll das bringen? Investoren haben so die Möglichkeit, auf Krypto-Börsen zu handeln, die keine Krypto-Trading-Paare mit Dollar, Euro, oder anderen staatlichen Währungen (Fiat-Geld) anbieten. Zudem ist das Versenden eines Stablecoins einfacher, billiger und schneller als bei normalem Geld, zumindest auf internationaler Ebene. Tether hat das Handels-Kürzel „USDT“.

Tether wurde im Jahr 2015 entwickelt und wird von der Firma Tether Limited herausgegeben. Noch während der Betaphase ist Tether eine Partnerschaft mit der Handelsplattform Bitfinex eingegangen, einem der größten Krypto-Handelsplätze der Welt. Hier liegt auch schon einer der ersten Kritikpunkte: Die Geschäftsführer von Tether Limited sind auch gleichzeitig die von iFinex Inc., der Firma hinter Bitfinex.

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Im April 2019 wurde bekannt, dass die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen hat, nachdem den Firmen vorgeworfen wurde den Verlust von Geldern im Wert von hunderten Millionen Dollar verschleiert zu haben. Bitfinex hat wohl einem Unternehmen namens Crypto Capital 850 Millionen Dollar als Leihe zur Verfügung gestellt. Es wird davon ausgegangen, dass die Mittel anderweitig verwendet wurden und Bitfinex das Geld aktuell nicht mehr zurückbekommen kann. Dabei sollen wohl die Gelder aus den Tether-Reserven genommen worden sein. Jean Louis van der Velde, CEO von Bitfinex, antwortete, dass die Klage „mit Ungenauigkeiten und falschen Behauptungen gefüllt ist“.

Ist Tether wirklich voll gedeckt?

Auch aufgrund dieser jüngsten Anklagen wird der Stablecoin mit immer mehr Argwohn betrachtet. Bereits vor dem Bekanntwerden der Ermittlungen wurde immer wieder die Frage in den Raum geworfen, ob wirklich alle Tether-Coins mit Dollar gedeckt sind, da das Unternehmen in der Vergangenheit nicht hundertprozentig nachweisen konnte, dass dies der Fall ist.

Eine von der US-amerikanischen Anwaltskanzlei Freeh, Sporkin & Sullivan LLP (FSS) durchgeführte Überprüfung ergab Mitte letzten Jahres jedoch, dass alle seit dem 1. Juni 2018 herausgegebenen Tether, die im Umlauf sind, von US-Dollar gedeckt sind. Dennoch hat die Reputation des Coins gelitten und die derzeitigen Ermittlungen haben zudem aufgezeigt, dass momentan alle im Umlauf befindlichen Tether nur zu 74 Prozent durch Cash gedeckt sind. Der Rest der Reserven ergibt sich laut der Website des Unternehmens aus „Zahlungsmitteläquivalenten und von Zeit zu Zeit anderen Vermögenswerten und Forderungen aus Darlehen von Tether an Dritte“. Während des Verfahrens ging dabei hervor, dass Tether einen Teil dieser Reserven unter anderem auch in Bitcoin gesteckt hat, also einer hoch volatilen Asset-Klasse. Ein weiterer prekärer Punkt: Im Februar diesen Jahres hat die Firma genau diese Verlautbarung auf ihrer Website in diese aktuelle Form geändert. Vorher war dort vermerkt, dass die Reserven, mit denen der Stablecoin gedeckt ist, nur aus Dollar bestehen würden und nichts anderem.

Wird mit Tether der Krypto-Markt manipuliert?

Ein weiterer Verdacht, den immer mehr Marktbeobachter in den Raum werfen, ist der, dass der Krypto-Markt und vor allem der Preis des Zugpferdes Bitcoin mit Tether manipuliert wird. Wie kommt man darauf?

Im letzten Monat sind Tether-Coins  im Wert von etwa 600 Millionen US-Dollar in das Krypto-Ökosystem geflossen (laut Daten von coinmarketcap.com).Seit April sogar weit über eine Milliarde Dollar. Der Preis von Bitcoin ist im selben Zeitraum von 8.500 US-Dollar auf 11.000 US-Dollar und mittlerweile sogar auf  über 13.000 Dollar gestiegen. Auf den ersten Blick nichts ungewöhnliches: Investoren sind über Tether in den Krypto-Markt eingestiegen und haben den Stablecoin dann genutzt, um weitere Kryptowährungen wie den Bitcoin zu kaufen. Private Trader und Spekulanten sehen die großen Bewegungen, springen mit auf den Zug auf und treiben den Kurs so noch zusätzlich mit nach oben.

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Der Vorwurf ist jedoch folgender: Tether gibt seine Coins an seine Kunden aus, noch bevor diese damit bezahlen, sodass diese dann den Markt über pump and dump Strategien manipulieren, Gewinne einfahren und Tether erst dann den Betrag in Dollar bezahlen. Vor allem der Blogger „Bitfinex´ed“ hat diese Vermutung, bzw. diesen Vorwurf aufgestellt und publik gemacht.

Die Leute hinter Bitfinex und Tether bestreiten dies, wie unter anderem die US-Wirtschaftsnachrichtenseite Yahoo.finance berichtet. Laut Will Harborne, dem Gründer von Ethfinex, einer dezentralen Börse mit Hauptsitz in London, sind diese Vorwürfe falsch. Ethfinex ist eine Tochtergesellschaft von Bitfinex, Tethers Partnerbörse, und hat Einblick in die Wechselwirkungen zwischen Tether, Bitcoin, der generellen Preisbildung und den Bullenmärkten.

Der Grund für die großen Schübe von Tether-Coins in den Markt

In einem Interview mit Decrypt, einer Krypto-Newsseite, hat Harborne erklärt, wie der Kauf von Tether von Großinvestoren funktioniert: Die Firma Tether erstellt anhand einer vorher kalkulierten Nachfrage eine gewisse Menge an Tether-Stablecoins. Die Investoren, die diese kaufen wollen (sie müssen mindestens 100.000 Dollar auf den Tisch legen), müssen die Wallets, auf denen die Coins liegen, mit ihren eigenen „public keys“ signieren (das sind die öffentlichen Adressen ihrer eigenen Wallets/ virtuellen Geldbörsen), um ein Kaufinteresse zu signalisieren, bzw. zu bestätigen. Sobald genug Käufe angemeldet wurden, werden die Tether-Coins verkauft und versendet. Laut Harbourne braucht dieser Vorgang Zeit und ist der Grund, warum die Anfragen der Investoren zu großen Chargen zusammengefasst werden und es dann zu diesen großen Schüben kommt.

„Tether (die Firma) erstellt die Coins im Wesentlichen nur ‚vorab‘, basierend auf einer groben prognostizierten Nachfrage“, sagt Harborne. „Normalerweise senden Kunden nicht mal eben 5 Millionen US-Dollar, ohne Tether vorher zu benachrichtigen. Tether kann also davon ausgehen, dass in den nächsten Tagen ungefähr [zum Beispiel] Tether-Coins im Wert von 250 Millionen US-Dollar benötigt werden. Sobald das Geld per Überweisung eingegangen ist, werden die tatsächlichen Tether-Coins an die Kunden gesendet.“

Laut Harborne kommt ein großer Teil der Kunden von Tether aus dem außerbörslichen Handel, der große Mengen privat an Investoren oder Großhändler verkauft. „Ein OTC-Schalter (OTC = Over the Counter/ direkter Verkauf) könnte einen Großauftrag über den Verkauf von BTC an einen großen Käufer in den USA abwickeln und dann die Dollars in Tether umwandeln, um die andere Seite des Auftrags auf Bitfinex und Binance zu verteilen, wo mehr Liquidität vorhanden ist.“

Der Blogger Bitfinex’ed bestreitet, dass die Tether-Coins erst nach der Bezahlung ausgegeben werden, mit der Begründung, dass Tether die Kaufaufträge seiner Kunden nicht offen gelegt habe, während die Ermittlungen des New Yorker Generalstaatsanwalts gegen Bitfinex weiter andauern.

Harborne bestreitet diese Vorwürfe. Für ihn ist der Preisanstieg klar mit dem Bullenmarkt erklärbar. Dass eine Gruppe an Investoren den Markt manipuliert, hält er nicht für möglich. „Jetzt, da die Leute denken, wir sind wieder im Bullenmarkt, wollen sie viel Bitcoin kaufen und müssen Geld an die Börse bringen. Ich denke, die Realität sieht so aus, dass es unglaublich schwierig ist, sich über so viele Leute hinweg zu koordinieren, und dass die allgemeinen Marktkräfte stärker sind als jede Gruppe von Händlern.“

Was bedeutet das für den Bitcoin?

Was nun wirklich der Wahrheit entspricht, also ob der Anstieg der Tether-Marktkapitalisierung mit einem steigenden Interesse am Bitcoin einhergeht, oder ob die neu gedruckten Tether den Preis durch Manipulation mit nach oben getrieben haben, darüber kann man mit den momentan bekannten Informationen nur spekulieren. Fakt ist, dass die Vorfälle um Tether und Bitfinex nicht zu deren Reputation beitragen und man es sich als Investor in Kryptowährungen gut überlegen sollte, ob man sein Kapital in dem Stablecoin Tether zwischenparken sollte.

Auch zeigt die Causa Tether, dass in der Theorie durchaus Manipulationen des Krypto-Marktes denkbar sind, auch ob der vergleichsweise immer noch geringen Größe des Marktes. An dem langfristigen Potenzial der Blockchain-Technologie und auch den generellen Vorteilen des Bitcoin als Wertspeicher, bedingt durch seine dezentrale Struktur, ändert aber auch der Tether Stablecoin nur bedingt etwas, auch wenn sich die Vorwürfe bestätigen sollten. Den weiteren Verlauf der Ermittlungen sollte man jedoch genau im Auge behalten, die sie massive Auswirkungen auf die weitere Preisentwicklung des BTC nehmen könnten.

Titelfoto: ImageFlow / Shutterstock.com

Themen:BitcoinKryptowährung

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