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Was sind die wichtigsten Auswahlkriterien bei Knock-Out-Zertifikaten?

von onvista, am Donnerstag, 31.10.2019

Liebe Leser, heute erklärt Ihnen unser Experte Martin Goersch alles rund ums Thema „Die richtige Auswahl von Knock-Out-Zertifikaten“. Martin Goersch hat langjährige Trading-Erfahrung und ist Chefjournalist beim Börsendienst „Zertifikate Global“.

 

Der richtige Hebel

Das Wichtigste bei der Auswahl des richtigen Scheines ist der richtige Hebel. In den letzten beiden Videos haben wir uns bereits mit dem Bereich Emittenten und Emittentenrisiko beschäftigt. Wenn wir uns für einen Emittenten entschieden haben und unseren Trade planen wollen, dann ist die Hauptsache, den richtigen Hebel für das entsprechende Produkt zu finden. Dabei gilt zu beachten, dass der Hebel größer wird, je dichter ein Wert an seiner Knock-Out-Schwelle handelt.

Unser Experte empfiehlt, mit moderatem Hebel zu arbeiten, da man auch mit Stopps am Markt agieren kann. Anleger müssen also nicht darauf warten, dass ein Produkt ausgeknockt ist. Im Verlauf wird Herr Goersch die Bestimmung des maximal möglichen Hebels für eine Trading-Situation an einem Beispiel berechnen. Dabei ist ganz wichtig: Je langfristiger das Trading Set-Up ist, desto kleiner sollte der Hebel gewählt werden. Für eine reine Daytrading Strategie zum Beispiel können beispielsweise etwas höhere Hebel verwendet werden. Je weiter der Stop weg ist, umso kleiner wird auch automatisch der maximal mögliche Hebel. Dieser richtet sich nämlich nach dem anvisierten Stop Level.

Die richtige Laufzeit

Dabei ist es ganz wichtig, zu beachten, welche Laufzeiten für das Produkt ausgewählt wird. Zum einen muss die Laufzeit zu der Trading-Idee passen. Ein Schein, der in zwei Tagen abläuft oder bei denen das Fälligkeitsdatum in zwei Tagen ist, macht wenig Sinn für ein Trade, der auf die nächsten drei bis fünf Wochen ausgelegt ist. Trader sollten also darauf achten, dass die Laufzeit lang genug ist, wenn sie einen laufzeitgebundenen Schein wählen. Alternativ dazu kann man auch ein Open-End-Produkt verwenden. Der große Unterschied für den Trader ist, dass wenn in laufzeitgebundene Kontrakte oder Zertifikate investiert wird, die Finanzierungskosten von Seiten des Brokers oder Emittenten komplett im Voraus vorgestreckt werden müssen.

Die Knock-Out-Schwelle

Dadurch bleibt aber die Knock-Out-Schwelle gleich, es gibt also eine feststehende Schwelle. Beim Open-End-Zertifikat sieht das anders aus: hier ist die KO-Schwelle variabel, weil jeden Tag die Finanzierungskosten neu berechnet und angepasst werden müssen. Bei einem Open-End-Produkt weiß der Emittent nicht im Voraus, wie lange dieses Produkt am Markt bestehen wird. Möglicherweise ist es in drei Wochen ausgeknockt oder es gibt es möglicherweise in anderthalb Jahren noch. Deswegen ist es nicht möglich, hier Finanzierungskosten im Vorfeld festzulegen. Das passiert dann durch das Anpassen der Kock-out-Schwelle.

Praktische Beispiele

Zur Verdeutlichung hat Herr Goersch uns zwei Beispiele mitgebracht, die er im Video erläutert. Zum einen geht er auf die Chartformation der Alibaba-Aktie ein. Hier entwickelt sich aktuell eine inverse Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Bei einem Ausbruch über 180 US-Dollar wäre das Ganze dann aktiv. Es ergeben sich zwei verschiedene Möglichkeiten, so ein Szenario zu handeln (Wichtig: Es handelt sich hierbei nicht um eine Kauf- oder Anlageempfehlungen, sondern lediglich um ein Beispiel, um zu zeigen wie sich ein Hebel berechnet).

Dafür nehmen wir im ersten Beispiel ein Stop-Level bei 163,80 USD, das wäre am Tief der rechten Schulter. Um ein geeignetes Produkt zu finden, schauen wir kurz in den onvista-Zertifikate-Finder. Wir grenzen unsere Suche auf den Bereich „Knock-Outs“ und die Alibaba-Aktie ein und wählen den Emittenten aus. Anschließend erhalten wir alle passenden Ergebnisse; im Beispielfall sind es 80 mögliche Produkte, die wir auf die Alibaba Aktie handeln können. Nun suchen wir uns ein entsprechendes Produkt raus, was nach Möglichkeit keinen allzu hohen Spread hat. Wichtig ist auch, dass wir mit dem Stop-Level da liegen, wo unsere Trade-Idee auch zu Ende sein sollte, im Beispiel wäre das im Bereich 163,20 USD.

Wir haben hier beispielsweise ein Open-End-Produkt. Das bedeutet, es ist am Ende egal, wie lange die Aktie braucht, um einen Gewinn zu erzielen. Wir müssen darüber hinaus nicht darauf achten, dass unser Produkt nicht vorher verfällt. Wenn wir jetzt hier auf die zugehörige WKN klicken, bekommen wir diese Übersicht (Zu sehen sind im Video unter anderem der Chartverlauf, Kurse, Hebel und Typ). Hier ist es zum einen wichtig, noch einmal zu prüfen, wie hoch der Hebel auf dem Produkt und wo der Basispreis liegt.

Das Bezugsverhältnis

Ebenfalls wichtig ist das Bezugsverhältnis, damit wir ein vernünftiges Preis-Level berechnen können, je nachdem wo sich der Basiswert hin entwickelt. Zusätzlich finden Sie noch die Information Abstand zum Knock-Out. Da sehen wir hier im Moment einen Preis von neun Prozent, also eine Preisbewegung von neun Prozent, die wir aushalten könnten, bevor dieses Produkt wertlos verfällt. Weitere Informationen zur Optionsscheinberechnung finden Sie in den anderen Videos dieser Reihe auf dem onvista-Kanal.

Nun betrachten wir den Chartverlauf mit einem Stop-Level von 172,22 USD, also am rechten Tief der S-K-S-Konstellation. Das bedeutet, das Stop-Level liegt jetzt deutlich dichter, als an dem Beispiel was wir eben hatten. Schauen wir uns dazu die Kennzahlen an, nehmen wir hier diesen Schein raus (Bitte mit dem Video abgleichen). Dann haben wir hier das Stop-Level bei 172 Dollar. Das ist ein recht enger Stopp, weswegen wir hier durchaus ein laufzeitgebundenes Produkt wählen können. Dieses Produkt läuft noch bis Ende des Jahres. Wenn wir jetzt wieder auf diese WKN klicken, kommen wir auch hier wieder in diesen Übersichtsbereich.

Auffällig hierbei ist, dass wir im voran gegangen Beispiel einen Basispreis von 163 Dollar und einen Hebel von zehn hatten. Nun haben wir einen Basispreis von 172 Dollar, entsprechend dichter dran am aktuellen Kurs. Unser Hebel liegt im zweiten Beispiel nun bei 20. Das heißt, je dichter der Stop am aktuellen Preislevel liegt, umso größer wird der Hebel, den wir erhalten (maximaler Hebel) Betrachten sollten wir auch den Bereich Restlaufzeit. Dieser Bereich ist für Sie als Trader besonders wichtig, weil Sie hier sehen, wie viele Tage dieses Produkt noch gehandelt wird bevor es ausläuft. Das heißt, bis in 96 Tagen sollte Ihre Trade-Idee aufgegangen sein, ansonsten ist das Produkt nicht mehr handelbar und wird ausgebucht.

Auch hier sehen wir noch einmal die Kennzahlen Bezugsverhältnis und Abstand zum Knock-Out. Wo wir eben neun Prozent hatten, haben wir jetzt nur noch vier Prozent. Das heißt, eine vier Prozent Kursbewegung im Basiswert würde dieses Produkt schon wertlos verfallen lassen, wenn der Kurs in die falsche Richtung läuft.

Berechnung des Hebels

 Sehr wichtig für den Trader ist es, zu verstehen, wie der Hebel entsteht. Wie in den beiden Beispielen verdeutlicht, haben wir zwei verschiedene Hebel: einmal 10, einmal 20. Wie kommen die Unterschiede zustande? Zugrunde liegt hier eine sehr einfache Formel: Wir nehmen den Kurs des Basiswertes, multiplizieren ihn mit dem Bezugsverhältnis und teilen das Produkt durch den aktuellen Preis des Zertifikats.

Schauen wir uns das in den beiden Beispielen an. Der erste Schein mit einem Basiswert von 163,19 USD und einem Basispreis von aktuell 179,20 Dollar. Wir nehmen dann den Basiswert von 179,20 Dollar und multiplizieren den Wert mit dem Bezugsverhältnis 0,1. Es bleibt 17,92, die durch den Briefkurs des Hebelproduktes von 1,52 geteilt werden und erhalten einen Hebel von ungefähr zehn. Im zweiten Beispiel hatten wir einen Basispreis von 172 Euro. Da wäre ihre Position ausgestockt. Der Basiswert steht genau gleich, weil es eben derselbe Basiswert ist. Wir gehen von derselben Rechnung aus, aber verwenden nicht mehr den Kurswert in Höhe von 1,52 Euro sondern von 0,83 Euro. Das Ergebnis ist ein Hebel von ungefähr 20.

Ich hoffe ich konnte weiterhelfen freue mich aufs nächste Mal. Wenn Ihnen unsere Beiträge gefallen, abonnieren Sie uns gerne, um kein Video mehr zu verpassen.

Themen:BörseDerivateTrading

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