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Cost-Average-Effekt: Irrglaube oder Renditebooster?

von onvista, am Mittwoch, 4.12.2019

Anleger erzielen einen Cost-Average-Effekt, wenn sie einen Sparplan für den regelmäßigen Kauf von Fondsanteilen einrichten. Bei einem monatlichen Kapitaleinsatz kauft der Anleger bei sinkenden Kursen mehr Fondsanteile als in einem Monat mit steigenden Kursen. Dadurch erhält der Sparer auf längere Sicht die Anteile zu einem günstigen Durchschnittspreis. Doch der Durchschnittskosteneffekt kann im Vergleich zu einer Einmaleinlage auch zu einer geringeren Rendite führen. In diesem Beitrag beleuchten wir die Vorteile und Nachteile des Effekts und zeigen Ihnen, wie Sie ihn zum Aufbau eines Vermögens nutzen können.

 

Was ist der Cost-Average Effekt?

Der Durchschnittskosteneffekt, wie die deutsche Übersetzung lautet, bezieht sich auf eine Investition über einen längeren Zeitraum. Bei sinkenden Kursen kauft ein Anleger mehr Anteile eines Fonds, während bei steigenden Kursen weniger Anteile gekauft werden. Dadurch ergibt sich ein Durchschnittspreis, der die Kursschwankungen teilweise ausgleicht. Der durchschnittliche Kurs liegt dabei immer über dem niedrigsten Kurs im Beobachtungszeitraum, gleichzeitig aber auch unter dem höchsten Kurs. Im Vergleich zu einer Einmalanlage verringern die Sparer das Risiko, die Wertpapiere zum falschen Zeitpunkt zu kaufen. Gleichzeitig entgehen den Anlegern damit aber auch die Vorteile des richtigen Timings, bei dem mit einer Einmalanlage ein höherer Ertrag erzielt werden kann.

 

Vermögensaufbau durch regelmäßiges Sparen

Immer mehr Anleger entscheiden sich für einen Sparplan zur Geldanlage, um feste Beträge zu investieren. Vielen Sparern fällt es leichter, regelmäßig kleine Beträge anzulegen, als erst einen großen Betrag für eine einmalige Investition anzusparen. Schon ab 25,00 Euro im Monat bieten zahlreiche Banken und Investmentgesellschaften die Möglichkeit, auch mit geringen Beträgen ein Vermögen aufzubauen. Die Einzahlung der Sparraten kann monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder einmal im Jahr erfolgen. Die jährliche Einzahlung nutzen viele Sparer, um Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld oder Bonuszahlungen anzulegen.

Durch den festen Betrag, der regelmäßig investiert wird, erhält der Anleger bei jedem Kauf eine andere Anzahl an Fondsanteilen. Bei dem Kauf gelten folgende Regeln:

  • bei fallenden Kursen erhält der Sparer mehr ganze Anteile und Bruchstücke für den festen Anlagebetrag
  • bei steigenden Kursen erhält der Sparer weniger ganze Anteile und Bruchstücke für den festen Anlagebetrag

Für jeden Kauf erhält der Investor eine Abrechnung, aus der die Anzahl der gekauften Anteile ersichtlich ist. Um den Durchschnittskurs zu ermitteln, wird ein längerer Zeitraum, wie ein Jahr, fünf Jahre oder sogar 30 Jahre, betrachtet. Zur Berechnung des durchschnittlichen Kaufpreises über den gewählten Zeitraum stellen Mathematiker diese Rechnung auf:

Durchschnittskurs = Anzahl der beobachteten Monate geteilt durch den Kehrwert der Summe aller Kurse im Beobachtungszeitraum

Das Ergebnis dieser Berechnung wird auch als harmonisches Mittel bezeichnet. Anleger, die regelmäßig eine bestimmte Stückzahl von Fondsanteilen kaufen, ermitteln dagegen das sogenannte arithmetische Mittel, um den Durchschnittskurs ihrer Geldanlage zu berechnen. Dazu werden die einzelnen Kurse im Beobachtungszeitraum addiert und dann durch die Anzahl der beobachteten Monate geteilt. In der Regel liegt der Kurs des arithmetischen Mittels etwas über dem Kurs des harmonischen Mittels. Aus diesem Grund werben einige Fondsunternehmen damit, dass sich der Cost-Average-Effekt vor allem bei Geldanlagen in Fondssparplänen mit langen Laufzeiten und volatilen Märkten stark bemerkbar macht.

 

Wie wirkt sich der Effekt auf mein Depot aus?

Wie das folgende Rechenbeispiel zeigt, können Sie mit demselben Kapitaleinsatz mehr Fondsanteile erwerben als ein Anleger, der nur einmalig einen bestimmten Betrag investieren möchte. Dazu müssen Sie Ihr Kapital in Tranchen anlegen, statt auf einmal einen höheren Betrag einzuzahlen.


Beispielrechnung:

  • Anleger A investiert einmalig 2.500,00 Euro. Bei einem Kurs von 25,00 Euro je Fondsanteil erhält Anleger A somit 2.500 : 25 = 100 Anteile
  • Anleger B investiert fünf Monate lang monatlich 500,00 Euro, also ebenfalls 2.500,00 Euro insgesamt. Wegen schwankender Kurse erhält Anleger B diese Anteile:
1. Monat: Kurs = 23,00 Euro entspricht 21,74 Anteilen
2. Monat: Kurs = 25,50 Euro entspricht 19,61 Anteilen
3. Monat: Kurs = 27,00 Euro entspricht 18,52 Anteilen
4. Monat: Kurs = 22,50 Euro entspricht 22,22 Anteilen
5. Monat: Kurs = 21,00 Euro entspricht 23,81 Anteilen

Während Anleger A für den Kapitaleinsatz von 2.500,00 Euro nur 100 Fondsanteile erhält, befinden sich im Depot von Anleger B 105,9 Anteile. Bei einem Kurs von 25,00 Euro entspricht das Vermögen von Anleger A nach fünf Monaten also dem ursprünglich eingesetzten Kapital. Anleger B hingegen kann einen Depotwert von 2.647,50 Euro vorweisen und hat damit einen Gewinn von 147,50 Euro in den fünf Monaten erzielt. Dies entspricht einer Rendite von 5,9 %. Trotz der berechneten Zahlen üben Finanzexperten auch Kritik am Dollar Cost Averaging, wie der Effekt auch genannt wird.

 

Kritik am Durchschnittskosteneffekt

Nicht in jedem Fall sorgt der Effekt für eine höhere Rendite bei einer durchschnittlichen Geldanlage. Bei einer längeren Anlagedauer wird die Kursentwicklung immer wichtiger und reduziert die Kostenersparnis.

Dazu ein stark vereinfachtes Beispiel: Anleger C kauft den ersten Fondsanteil zu 40,00 Euro. Im Monat darauf liegt der Kurs nur noch bei 20,00 Euro. Im Mittel hat Anleger C also in den ersten zwei Monaten 30,00 Euro für die Anteile bezahlt. Ab dem dritten Monat hält sich der Kurs konstant bei 40,00 Euro. Erst nach 30 Monaten sinkt der Fondspreis wieder auf 20,00 Euro. Damit ergibt sich ein Durchschnittskurs von 38,79 Euro für die Anlagedauer von 33 Monaten. Während der cost average effect in den ersten zwei Monaten deutlich zu sehen war, liegt der durchschnittliche Fondspreis nach 33 Monaten nur noch geringfügig unter dem Höchstkurs im Beobachtungszeitraum.

Ein weiterer Kritikpunkt liegt darin, dass eine Einmaleinlage eine höhere Rendite erzielen kann. Dazu muss der Anleger aber genau zum richtigen Zeitpunkt, also bei sinkenden Kursen, Wertpapiere erwerben. Vor allem für Kleinanleger ist es schwierig, diesen Zeitpunkt genau abzupassen. Wer sich nicht täglich mit seinen Investitionen beschäftigt und dauerhaft die Börsen beobachtet, kann nur schwer abschätzen, wie sich die Kurse entwickeln. Für diese Anleger bietet ein Sparplan Vorteile, auch wenn dadurch die Rendite etwas niedriger ausfallen kann.



Vorteile und Nachteile des Durchschnittskosteneffekts

Hier eine Zusammenfassung der Vorteile und Nachteile des Effekts:

Vorteile:

  • Vermögensaufbau auch mit geringem Kapitaleinsatz
  • in Zeiten niedriger Kurse Kauf einer höheren Anzahl von Anteilen
  • auch Kauf von Bruchstücken möglich
  • Glättung der Rendite
  • Sicherheit bei volatilen Märkten
  • keine Börsenbeobachtung und kein Abpassen des optimalen Kaufzeitpunkts erforderlich

Nachteile:

  • Verwässerung von Gewinnen und Verlusten
  • negative Wirkung bei steigenden Kursen
  • häufig niedrigere Rendite als bei Einmalanlagen

Auch wenn sich die Kritik am Dollar Cost Averaging in Expertenkreisen hält, können vor allem Kleinanleger von dem Effekt profitieren. Wer zum ersten Mal sein Geld in Wertpapieren anlegt, fürchtet bei jedem Kursrückgang einen großen finanziellen Verlust. Durch den Durchschnittskosteneffekt sieht der Verlust jedoch nicht mehr so bedrohlich aus. Neben der psychologischen Wirkung sorgt der cost average effect auch dafür, dass bei einem starken Rückgang der Kurse die Verluste durch steigende Kurse in den Vormonaten teilweise ausgeglichen werden.

 

Fazit

Für Kleinanleger bietet der cost average effect einige Vorteile, während erfahrene Investoren mit einer Einmaleinlage eine höhere Rendite erzielen können. Trotzdem kann der Effekt genutzt werden, um auf Dauer ein Vermögen aufzubauen.

Themen:FinanzwissenFonds

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