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von Kategorie: Finanzwelt

Ein Tweet lässt Anleger durchdrehen

durchdrehen

Mit zuckenden Fingern warten Horden von Investoren auf die EZB-Entscheidung. Kleinste Meldungen sorgen für Kurskapriolen – selbst dann, wenn es Falschmeldungen sind.

Anleger sind hochnervös, Kurse zucken auf und ab, alles blickt Richtung Frankfurt, wartet auf die Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank. Um 13.45 Uhr will die EZB ihre Beschlüsse bekanntgeben. Anleger hoffen auf eine kräftige Lockerung der Geldpolitik. Doch noch ist völlig unklar, was die Zentralbank plant.

Plötzlich schreckt eine Meldung die Märkte auf. Über Twitter vermeldet die Financial Times (FT): Die Zentralbank lässt die Zinsen unverändert.

Damit hatte Anleger nicht gerechnet. Das ist eine Überraschung. Erwartet wurde, dass zumindest der Einlagesatz für Banken sinkt. Die Märkte reagieren sofort. Der Eurokurs macht einen deutlichen Satz – steigt von 1,054 Dollar auf 1,069 Dollar.

Doch es ist eine Falschmeldung. Wenig später verkündet die Europäische Zentralbank, dass der Einlagezins von minus 0,2 Prozent auf minus 0,3 Prozent gesenkt wird. Die Financial Times bemerkt ihren Fehler und löscht kurz darauf den Tweet. Da ist das Malheur aber bereits geschehen.

Die Folgen der Falschmeldung sind letztlich nicht dramatisch. Die tatsächlichen Entscheidungen der EZB lassen den Eurokurs weiter steigen – in Richtung 1,09 Dollar. Der falsche FT-Tweet bleibt eine Randepisode an einem turbulenten Handelstag.

Die Randepisode zeigt jedoch, wie nervös der Markt ist. Anleger reagieren blitzschnell auf kleinste Meldungen und lassen die Kurse wilde Kapriolen schlagen.

So war das an diesem Donnerstag:

Es fängt damit an, dass der Euro plötzlich steigt – deutlich sogar. Der Grund ist zunächst unklar, noch hat die EZB ihre Zinsentscheidung nicht verkündet. Wenig später ist die Meldung der Financial Times als Ursache für den Kurssprung gefunden.

Dann wird klar: Es ist eine Falschmeldung. Das spricht sich herum. Der Eurokurs sinkt wieder leicht. In dem Moment verkündet die EZB ihre Zinsentscheidung – und der Eurokurs zieht abermals an.

Wenig später gibt EZB-Chef Draghi seine Pressekonferenz, erläutert die Zinsentscheidung und verkündet eine Verlängerung der Anleihekäufe bei unverändertem monatlichem Volumen. Der Eurokurs macht erneut einen Satz nach oben – viel kräftiger als zuvor.

All das spiegelt sich im Chart zum Euro-Dollar-Kurs zwischen 13.30 Uhr und 15.30 Uhr:

Der Euro/Dollar-Kurs am 3.12.

So viele Kapriolen in so kurzer Zeit… Und ganz nebenbei schlägt auch noch der Dax-Kurs fröhlich Purzelbäume. Manchmal möchte man den Börsianer zurufen: Bleibt doch mal ruhig, trinkt mal ’nen Tee, macht mal ’ne Pause. Ich würde hier gerne in Ruhe meinen Börsenbericht schreiben.

Foto:  Photosebia/shutterstock.com

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