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von Kategorie: Finanzwelt

Über Sinn und Unsinn von Börsenspielen

boersenspiel

Börsenspiele sollen Neulingen das Thema Börse schmackhaft doch. Doch haben diese Spiele mit dem echten Börsengeschehen wenig zu tun. Es sind Spiele mit eigenen Regeln, eher Glücksspiele. Da gibt es bessere Einstiege in die Börsenwelt.

Börsenspiele gab es (gefühlt) immer schon. Damals, zur Schulzeit, war es noch die örtliche Filiale der Sparkasse, die sich der ehrenvollen Aufgabe verschrieben hatte, junge Menschen in die geheimnisvolle Aktienwelt einzuführen. Und geheimnisvoll war diese Welt.

Vor dem Börsenspiel bestand die Finanzwelt aus Sparbuch und Sparschwein. Das war eine kleine, überschaubare und verständliche Sparwelt. Aktien und Börse hingegen, das war eine ganz andere, viel größere und gänzlich unbekannte Welt. Börsenspiel, das klang aufregend.

Börsenspiele: mehr Spiel als Börse

Heute sind unzählige Börsenspiele nur ein paar Mausklicks entfernt. Aufregend sind sie immer noch. Doch haben sie mehr mit einer hübschen Spielwelt als mit der großen weiten Finanzwelt zu tun.

Neigt sich das Jahr dem Ende, läuten allüberall die Startglocken für die Börsenspiele. Damals wie heute ist das Ziel, Menschen das Thema Börsen näherzubringen – und sie am besten zu Neukunden zu machen. So läuft das Spiel. Deswegen gibt es auch so viele Börsenspiele. Das ist weder verwerflich noch überraschend. Man sollte es nur wissen.

Kritik am Wettbüro-Ansatz

Das Blog Finanzrocker.net ist in einem aktuellen Beitrag der Frage nachgegangen „Was taugen eigentlich Börsenspiele?“ Die Antwort in Kurzform: Eher nicht so viel.

Finanzrocker Daniel hat bei diversen Börsenspielen mitgemacht. Seine Erfahrungen sind durchwachsen. Um mit den führen Teilnehmern mithalten zu können, „musst Du Optionsschein-Wetten eingehen“, schreibt er.

Nun gehören Optionsscheine zu den risikoreicheren Varianten des Börsengeschäfts. Durch ihre Hebelwirkung können Anleger überdurchschnittlich stark von Kursbewegungen profitieren – aber eben auch stark verlieren. Nur wer die richtigen Optionsschein-Wetten eingegangen ist, wird bei Börsenspielen auf den vorderen Plätzen landet.

Der Finanzrocker sieht darin ein grundlegendes Problem. Börsenspiele sollten seiner Ansicht nach kein Wettbüro sein, sondern dazu dienen, „sich mit der Börse auseinander zu setzen, fiktiv das Traden üben und um sich eingehender mit Unternehmen auseinander zu setzen.“

Lieber ein Musterdepot als ein Börsenspiel

Die Kritik ist nicht von der Hand zu weisen. Börsenspiele simulieren das Börsengeschehen nur unzureichend. Die Anreize und das Risiko sind nicht vergleichbar. Kleinere oder auch moderate Gewinne im Börsenspiel sind kaum von Bedeutung, Totalverluste tun nicht weh, es zählt nur der Maximalprofit.

Wer sein Geld in einige ausgewählte Aktientitel investiert, um so mittel- bis langfristig von der Entwicklung an der Börse zu profitieren – was ja nicht die schlechteste Anlageidee ist – wird bei Börsenspielen keinen Blumentopf gewinnen. Dort gewinnt, wer in möglichst kurzer Zeit mit möglichst großer (Hebel-)Wirkung den höchsten Profit erzielt. Nur wer zum ganz großen Risiko bereits ist, hat die Chance auf einen Gewinn.

Börsenspiele sind Spiele, die nach ihren ganz eigenen Regeln funktionieren. Als Einstieg in das Thema Börse sind nur eingeschränkt geeignet. Oder wir es TimGrueger in seinem Kommentar zum Finanzrocker-Artikel schreibt: „Disziplin und Demut vor dem Markt werden damit nicht trainiert sondern fördern viel mehr Gier und Zockerei.“ In seinen Augen sei ein normales Musterdepot ohne Börsenspiel für Anfänger geeigneter.

Da ist wohl was dran.  

Foto: Brian A Jackson/shutterstock.com

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