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von Kategorie: OnVista entdecken

Und plötzlich reden alle über China…

beben-SZ

„Das Beben“ titelt die Süddeutsche Zeitung in ihrem Wirtschaftsteil. Und nicht nur dort ist der chinesische Börsencrash das Topthema. Ähnlich war es gestern bei OnVista. Die Frage ist nur: Warum ausgerechnet gestern?

In China purzeln die Kurse. Nein, sie purzeln nicht nur, sie stürzen. Der Leitindex CSI 300 mit den 300 wichtigsten Unternehmen des Festlandes hat rund 30 Prozent verloren. Ähnlich sieht es beim Shanghai Composite Index und beim Shenzhen Component Index, der die Aktien vieler Technologieunternehmen enthält. Überall: dicke, dicke Verluste.

Zunehmend verzweifelt stemmte sich die chinesische Regierung gegen die panikartigen Verkäufe. Drastische Gegenmaßnahmen wurden ergriffen – häufig ohne Ergebnis. Unaufhaltsam stürzten die Kurse. Und das nicht erst seit gestern. Bereits seit Mitte Juni befinden sich die Kurse an den wichtigsten chinesischen Börsen im Sturzflug.

Ein Blick auf den 3-Jahres-Chart für den Shanghai Composite reicht, um die Dimensionen des Absturzes (und des vorangegangenen Booms) zu verdeutlichen:

shanghai

 

Innerhalb weniger Wochen sind die Kurse dramatisch eingebrochen. Die Sache ist nur: Vom Börsencrash in China hatte man in Europa bislang wenig mitbekommen.

Selbst in der vergangenen Woche gab es in deutschen Medien – OnVista war da keine Ausnahme – kaum etwas über den Börsencrash in China zu lesen. Dabei hatte der Shanghai Composite bereits bereits Ende Juni über 20 Prozent an Wert verloren, nachdem er Mitte Juni noch auf einen Jahreshöchsstand geklettert war.

Doch was war darüber zu lesen? Kaum etwas. Auf OnVista gab es vergangenen Monatg (29.6.) nur das hier:

Und das hier:

Vergangenen Freitag türmten sich die Verluste bereits zu insgesamt 29 Prozent auf. In der Berichterstattung blieb der Börsencrash jedoch weiterhin Randthema – wenn überhaupt:

Das änderte sich erst zu Beginn dieser Woche. Nach einen massiven Eingreifen der chinesischen Regierung fuhren die Kurse an Chinas Börsen Achterbahn – und langsam wurden Medien und Börsianer hellhörig:

Damit war der Börsencrash in den Medien angekommen. Am Dienstag sprangen auch große Nachrichtenagenturen wie Reuters auf das Thema an:

Richtig Schwung in die Geschichte kam am aber erst am Mittwoch. Da hatte die chinesische Regierung erneut versucht gegenzusteuern, doch die Kurse gaben abermals massiv nach. Die Berichtersattung quer durch alle Medien explodierte. Worte wie „Panik“ und „Crash“ machten die Runde:

Plötzlich war der Börsencrash das Topthema in Deutschland. Warum China ausgerechnet am Mittwoch so groß wurde, ist allerdings mit den Ereignissen im Land selbst nur zum Teil zu erklären.

Ja, die Kurse sind gestern zwar abgerauscht. Aber einen Tagesverlust von über sieben Prozent gab es bereits vor knapp zwei Wochen.

Und ja, die Regierung in Peking hat zu drastischen Maßnahmen gegen den Kursrutsch gegriffen. Aber Eingriffe gab es ebenfalls zuvor: eine Milliarden-Geldspritze, eine Zinssenkung, ein Stopp von Börsengängen und neue Regeln und Anforderungen für Banken. Alles schon passiert.

Und ja, es ist ein Börsencrash. Aber nicht erst seit gestern. Im Vergleich zum vergangenen Freitag hatte der Shanghai Composite sein Gesamtminus lediglich um drei Prozentpunkte ausgeweitet. Am gestrigen Mittwoch stand der Index insgesamt 32 Prozent unter seinem Höchststand aus dem Juni, am vorangegangen Freitag sind es 29 Prozent gewesen.

Warum also ausgerechnet gestern?

Die lapidare Antwort: Die Zeit war reif.

Der Börsencrash in China ist Woche für Woche, Kursrutsch für Kursrutsch einer größeres Thema geworden. Gestern dann kumulierten die Einzelereignisse, die nötig waren, um den abgeschottete chinesische Finanzmarkt über die Aufmerksamkeitsschwelle deutscher Medien zu heben: ein hohes Tagesminus an den Börsen, neue staatliche Eingriffe, Verluste an anderen asiatischen Handelsplätzen, nervöse Analystenkommentare, vor allem aber Medien, die Themen setzen können, wenn andere Themen wie Griechenland für einen Moment wenig Neues zu bieten haben.

Und so reden plötzlich alle über China…

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